Der Helm

 

Wir haben ihr viel zu verdanken, dieser schützenden Kopfbedeckung. Ohne ihn wären wohl einige unserer Vorfahren frühzeitig in die Grube gefahren, und damit auch die Möglichkeit unserer Existenz. Bereits im 3.Jahrtausend v. Chr. fertigten die Sumerer feinziselierte Helme – perfekte Imitationen geschmückter Männerhäupter aus Bronze und Gold.

Im Laufe der Geschichte wurden dann nahezu alle vorstellbaren Varianten durchdekliniert: von rund über eckig bis kegelförmig, mit Nacken-, Wangen-und Nasenschutz, oder gleich mit Voll-Visier. Der Mann von gestern neigte bezüglich seines Kopf-Ornats selten zur Dezenz. Extravagante Dekorations-Elemente wie Eberzahn-Mosaike, Federkaskaden, Pferdemähnen und Geweih-Nachbildungen waren Status-Symbole ersten Ranges, mit denen noch heute jede Dame von Welt auf einer englischen Adels-Hochzeit Furore machen würde. Selbst die Namen standen der Arten-Vielfalt in nichts nach: klangvoll- elegant der „Kassidion“, der „Grand Bacinet“, der „Morion“, handfest- skurril hingegen die „Hunds-Gugel“, der „Froschmaul-Helm“ oder die „Zischägge“. Der Helm galt zu allen Zeiten als Sinnbild des wehrhaften Mannes. Allenfalls im Mythologischen wurde die Frau mit der kriegerischen Kopfbedeckung in Verbindung gebracht. Allen voran „Pallas Athene“  alias „Minerva“, der als Göttin der Weisheit, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit an dieser Stelle ohnehin ein Ehrenplatz gebührt. Auch die Amazonen und Walküren begaben sich nicht unbehelmt auf das Schlachtfeld. Der Helm für die Frau kam im 20ten Jahrhundert durch die Hintertür ins Rampenlicht der modernen Welt. Zweifellos hatte der omnipräsente Bubikopf der zwanziger Jahre die klare Linienführung des Helmes zum Vorbild, und war nun das Erkennungszeichen der modebewussten Frau. Kurioserweise war die helmtragende Hauptdarstellerin des visionären Kultfilms „Metropolis“ mit dem  ikonografischen Filmplakat, eine Dame namens „Brigitte Helm“. Leider wurde die Silhouette dieser fortschrittlichen Frauenköpfe durch den Verlauf des Weltgeschehens wieder dem Stahlhelm überlassen, und kehrte erst in den 60er Jahren im Zuge der Weltraum-Euphorie zurück. Vidal Sassoon reanimierte den scharf geschnittenen Bob, Paco Rabanne, André Courreges und Pierre Cardin lancierten den Couture-Helm zum dernier cri. Auch in der Männerwelt verließ der Helm den Kampfplatz, die Berufswelt verlangte nach ihm. Berg- und Bauarbeiter, unvorstellbar ohne Helm. Und noch immer haftete ihm etwas viril-heldenhaftes an, man denke nur an die Symbolkraft eines Feuerwehrhelmes. Doch seit seinem Einzug in unsere moderne, schutzliebende Freizeit-Gesellschaft bröckelt sein heroisches Image. Unlängst noch den Hochrisiko-Sportarten vorbehalten, sieht man ihn nun allenthalben auch auf den Köpfen gemächlich daher radelnder Zeitgenossen. Die Zähmung einer einstmals martialischen Kopfbedeckung scheint also komplett vollzogen zu sein. Deshalb plädiert Yva zwar keinesfalls für die Helm-Pflicht für Fußgänger, aber für das freigeistige Tragen unserer zeitgemäßen Interpretation: Das Modell „Wired“, ideal für den modernen Großstadt-Flaneur mit eigenem Sound-Track, passionierten D-Janes, und überhaupt alle, mit einem Faible für futuristisches Design.

 

Yva_wired_freisteller