Der Bowler

Schillernder kann das Image eines Kleidungsstückes kaum sein, als das des Bowlers.
Wer hat ihn nicht schon alles als Markenzeichen genutzt: vorneweg naturellement – der britische Gentleman. Doch lange konnte der Bowler Hat seine Stellung als englisches Distinktionsmerkmal nicht halten : the Bowler Hat went wild and west. Bald war er in den schäbigsten Saloons der Neuen Welt genauso zu sehen wie in den vornehmen Clubs in good old Britain.

Britische Eisenbahnarbeiter brachten die “Melone“ dann auch nach Südamerika, zum großen Plaisir der bolivianischen Frauen. Umgehend fügten sie die rundliche Kopfbedeckung ihrer farbenprächtigen Tracht hinzu, bis heute thront er auf den Köpfen der Cholitas.
Später verdiente er sich als unverwechselbares Film-Accessoire seine Meriten. Chaplin, Stan&Olli, Pan Tau und John Steed ohne Melone – undenkbar. Auch der “literarische“ Bowler hat sich durch den Film ins kollektive Bildgedächtnis eingeschrieben, als erotisches Apercu der Sally Bowles in “Cabaret“ und Kunderas Sabina in “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ genauso wie als ironisches Accessoire des ultra-brutalen Alex in “Clockwork Orange“. Und was um Himmels Willen hätte ein René Magritte bloß ohne Bowler gemacht?
So disparat die Image-Zuschreibungen dieser Kopfbedeckung auch sind, eine Eigenschaft ist gewiss – seine Widerständigkeit. Kein Klischee konnte sich den Bowler gänzlich einverleiben, immer wieder wurde sein Image gegen den Strich gebürstet.
Seiner Widerständigkeit im materiellen Sinn wegen wurde er auch erfunden. Ein gewisser Thomas William Coke, Earl of Leiceister, war es im Jahre 1849 endlich leid, die demolierten Hüte seiner Jagdaufseher ständig wieder in Form bringen zu lassen. Offenbar war das Geäst im Cokeschen Anwesen zu niederwüchsig für die hohen Reitzylinder.
So bestellte er bei Lock&Co, dem renommiertesten Hutgeschäft Londons, eine Kopfbedeckung , die niedrig, stabil und fest auf dem Kopf sitzend sein sollte. Thomas und William Bowler, die von Lock beauftragten Hutmacher, entwarfen sodann den ersten “Bowler Hat“.
Die Legende besagt, dass der Earl zweimal beherzt auf den schellackgetränkten Filzhut sprang, um sich von der Brauchbarkeit der bestellten Ware zu überzeugen. Der Bowler überlebte die aristokratische Attacke anstandslos und somit konnte seine Geschichte als widerständiges Markenzeichen beginnen.